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Kurioses Tauchwissen II – Dekompression

Oder: Was haben Taucher, Ziegen und Damenmode gemeinsam?

Um diese Frage erklären zu können möchte ich ein wenig weiter ausholen. Es ist notwendig sich die Geschichtet der Dekompression anzuschauen. Wer schon immer Panik bei Begriffen wie Partialdruck bekommen hat, sollte sich nicht abschrecken lassen. Ich habe versucht nicht zu tief in die Materie einzusteigen.

Senkkasten - Cassion

Das Tauchen ist schon so alt wie die abendländische Kultur. Sehnsüchte nach Luxusartikeln wie Schwämme oder Perlen haben schon sehr früh wagemutige Männer in die Wogen des Mittelmeeres steigen lassen. Wie so häufig, sind zudem auch militärische Absichten hier ein Antriebsfaktor.Was zunächst noch Apnoe geschah – Taucher hießen bei den Römern übrigens „Urinator“, wurde mit einer zunehmenden Kolonialisierung  auch immer Technischer. Ab 1690 wurden z.B. gesunkene Schätze mit einer Taucherglocke geborgen, die Luft wurde hierfür mit kleinen Fässern herunter transportiert!! Komischerweise tauchten hierbei auch die ersten Beschwerden von druckabhängigen Ohrenschmerzen auf, welche aber nicht weiter berücksichtigt wurden.

Mit einsetzender Industrialisierung nahm auch die Tauchtechnik Mitte des 19. Jahrhundert einen enormen Aufschwung. Mit Hilfe der Cassionstechnik, wurden seit ca. 1870 Arbeiten in Senkkästen durchgeführt. So konnte man trockenen Fußes z.B. Brückenpfeiler in tiefen Gewässern bauen. Durch diese neue Technik nahm auch die Anzahl der beschriebenen Todesfälle zu. Die ersten medizinisch richtigen Schlüsse zog Hoppe: die Druckminderung im Organismus kann Gasblasen freisetzen.

Nun aber zu der Damenmode! Da die von Hoppe beschriebene Theorie noch 4 Jahrzehnte brauchte, um in der Cassionspraxis Anwendung zu finden, gab es leider auf den Baustellen weiterhin viele Todesfälle und schwere Lähmungen. Wegen der gebeugten Schonhaltung der Arbeiter, die aus den Senkkästen kamen, wurden diese mit dem Ausdruck „Bend“ verspottet. Diese Haltung erinnerte nämlich an eine Damenmode, den „Grecian Bend“.

Die moderne Tauchmedizin setzt aber erst viel später ein. Anfang des 20. Jahrhunderts führte die Royal Navy viele Bergungstauchgänge versunkener Torpedos durch. Aufgrund neuer Techniken und somit längerer und tieferer Tauchgänge, häuften sich auch die Tauchunfälle auf See.

John Haldane war der erste, der den Körper in 5 verschiedene, fiktive Kompartimente unterteilte und schuf somit die Basis für die ersten Dekompressionstabellen. Diese Kompartimente sind verschiedene Gewebearten, welche aufgenommene Gase unterschiedlich schnell abgeben. Haldane bezeichnet dies als Halbwertszeit. Knochen und Gelenke sind z.B.  sehr schwach durchblutet und geben somit auch langsamer Gase wieder ab. Die Halbwertssättigungszeiten betrugen hierbei zwischen 5-75 Minuten. Die Tiefenstufen wurden in 3 Meter unterteilt.

Und hierbei kommen die Ziegen ins Spiel. Um seine Theorie zu bestätigen, führte Haldane zunächst Versuche mit Hunden in Druckkammern durch. Da diese aber lernten, dass sie aus den Tests herausgenommen wurden sobald sie Bends simulierten, wurden sie durch etwas genügsamere Ziegen ersetzt. Immerhin wurden die Tiere auf bis zu 60 Meter gefahren. Auffällig hierbei war schon damals, dass Tiere mit mehr Körperfett häufiger Symptome zeigten, welche auf eine Dekompressionserkrankung rückschließen ließen. Danach wurden die Erprobungen an Navy-Tauchern in Schottland weitergeführt. Leider nicht das einzigste Mal, dass Menschen als wissenschaftliche Versuchskaninchen herhalten müssen.

10 Jahre später modifizierte die US Navy anhand von 16000 Tauchgängen diese Versuche. Die hierbei entstandene Austauchtabelle wurde vom VDST bis 1984 als offizielle Lehrmeinung verbreitet. Die Tabelle besaß nun 6 Kompartimente und Halbwertssättigungszeiten von 5 – 120 Minuten.

Eine entscheidende Weiterentwicklung brachte der Schweitzer Professor Bühlmann. Er führte Versuche mit Sporttauchern durch, die im Gegensatz zu Navytauchern einen etwas gemäßigteren Stoffwechsel haben. Resultat ist eine neue Tauchtabelle mit 18 Kompartimenten,  Halbwertssättigungszeiten zwischen 4 und 636 Minuten und langsameren Aufstiegsgeschwindigkeiten. Woher diese kommen, ist auch ne recht interessante Geschichte… Aufgrund der guten Dokumentation, ist diese Tabelle Grundlage vieler Dekoprogramme von Tauchcomputern.

In den 90 Jahren wurden die Tabellen um die „Pyle-Stopps“ ergänzt. Pyle machte tiefe Tauchgänge um Fische zu fangen. Dabei machte er die Beobachtung, dass es ihm und den Fischen (keine geplatzte Schwimmblase) viel besser ging, wenn er seinen Tauchgängen tiefe Stopps hinzufügte. Diese Stopps befinden sich grob gerechnet auf der Hälfte der maximalen Tauchtiefe und sind wesentlich kürzer als die Dekostopps (ca 2-3 Minuten).

Weitere Modelle beobachten genau die Entwicklung der Gasblasen im Blut. Diese Gasblasen sind nun schließlich verantwortlich (abhängig von der Größe) für eventuelle Dekompressionserkrankungen. Ein Begriff über den man immer wieder stolpert ist das Reduced Gradient Bubble Modell (RGBM), wie es z.B. auch in  modernen SUUNTO Tauchcomputern verwendet wird. Das RGBM basiert auf dem Rechenmodell von Bühlmann, wird aber zudem von den kritischen Blasengrößen bestimmt. Die Dekompressionsstopps verschieben sich zu längeren, tieferen, wobei die flacheren Stopps kürzer werden.

Was sich meiner Meinung schön an dieser Entwicklung zeigt, ist dass all diese Modelle auf rein mathematischen Gedanken Basieren. Die 5 Kompartimente von Haldane sind genau so fiktiv wie die von Bühlmann! Es wurden die physikalischen Überlegungen jeweils lediglich durch medizinische Tests untermauert. Gasblasengrößen kann man sehr genau berechnen, Koeffizienten für Gewebearten entstehen nur durch langwierige Tests. Da es sich bei Blut um ein sehr komplexes Fluid handelt, sind hierfür je nach Gewebeart und Blutbahndurchmesser verschiedene Rechenmodelle notwendig.Da diese Modelle ihre Grenzen haben und z.B. die eigene Fittness, Dehydration, Nikotingebrauch, Alter usw. usw. nicht mit berücksichtigen können, ist jedem ein eher konservativer Umgang mit den Daten auf dem Tauchcomputer geraten. Auch können nur leicht unterschiedliche Tauchprofile und unterschiedlich lange Pausen zwischen den Wiederholungstauchgängen zu sehr verschiedenen Nullzeiten führen. Wer im Buddy Team mit zwei verschiedenen Tauchcomputer – Modellen taucht, der dürfte sich schon das ein oder andere Mal gewundert haben, wieso er schon auftauchen muss, wo doch der Buddy noch ellenlange Grundzeiten hat.

Natürlich sind die jeweiligen Prinzipien und Modelle  hier nur sehr oberflächlich beschrieben. Wer aber gerne etwas tiefer einsteigen möchte, dem sei z.B. das Buch „Moderne Tauchmedizin“ von Klingmann und Tezlaff empfohlen. Da habe ich auch die meisten Infos für diesen Artikel raus. Sehr interessant ist auch noch folgende Seite: http://www.decotrainer.de/

Wer nun denkt, mit der Kuriosität im Tauchwissen sei es vorbei, der darf sich schon auf den nächsten Beitrag freuen. Da werde ich beschreiben, was kotzende Wale (kein Scherz!) und Johnny Depp vereint.

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